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Helga König im Gespräch mit der Künstlerin #Ute_Vehse_Zins

 Ute Vehse
Liebe Ute Vehse, Sie sind in Berlin geboren. Dort sind Sie in einer Künstlerfamilie aufgewachsen und waren Schülerin bei dem ostfriesischen Meister der Malerei und Bildhauer M. Melzer.  

Ihre Werke wurden und werden weltweit vermarktet. Dabei haben Sie Ihre erste Ausstellung 1984 in West-Berlin realisiert. 

Sie sind Mitglied der internationalen Künstlergruppe von Les Montmartroise de Berlin und Les Montmartroise en Europe, sowie die Gruppe Kunstwerke–Berlin.

Ich freue mich, dass Sie an dem Interviewprojekt Fragen zur Kunst teilnehmen. 

 Helga König
Helga König: Wie definieren Sie Kunst? 

Ute Vehse: Ich definiere Kunst als eine der vielen Lebensmöglichkeiten, sich auszudrücken, die Menschen zu erreichen, zu politisieren, Vielseitigkeiten zu vermitteln, Visionen und den kreativen Geist erwecken, die ständigen Transformationsprozesse, die wir alle ständig durchlaufen, zu zeigen.

Helga König: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen?

 Ute Vehse
Ute Vehse: Ich liebe nach wie vor die Aquarellkunst. Die alten Meister der entarteten Kunst waren mir Vorbild. Vor allen Dingen die Kunstwerke der Expressionisten, der Surrealismus, der Kubismus und die neue Sachlichkeit. Sie entsprachen ja alle nicht dem Schönheitsideal der Nationalisten. Meine Favoriten waren Nolde, Chagall, Matisse, Beckmann, Schmidt-Rottluff. 

Helga König: Wann hat für Sie Malerei einen künstlerischen Wert? 

Ute Vehse: Es ist verpönt, Kunst als Ware zu begreifen. Gewöhnlich werden deshalb in Galerien Bilder auch nicht mit Preisschildern versehen. Die Kunst zähle, nicht das Geld, so die Botschaft. Kunst ist Selbstzweck, ist Berufung, ohne Hintergedanken an Geschäft und Nutzen. Salvador Dali bekannte: "Alles, was mich interessiert ist Geld." Weder Dali, noch der Selbstzweck, noch die Berufung ist meine Absicht, eher die Lust und Freude mich auszudrücken, zu bewegen, etwas zu transformieren, im Zeichen der Jetztzeit! Und genauso auch ein Kunstwerk loszulassen, dem Betrachter und dem Investor meine Lebensfreude, trotz aller weltlichen Unzulänglichkeiten, mit auf den Weg zu geben. Und er möge dafür auch gut bezahlen. 

 Helga König
Helga König: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Kunst?

Ute Vehse: Ich sehe den Bildhauer eher als einen Handwerker. Bewundere diese Kunst sehr. Insbesondere liebe ich Skulpturen, besonders dann, wenn sie abgeschlagen werden aus den unterschiedlichen Gesteinen, wie Sandstein, Marmor. Eine Kombination mit Malerei und Bildhauerkunst finde ich äußerst spannend. 

Helga König: Wann hat für Sie Fotografie einen künstlerischen Wert? 

Ute Vehse: Ich liebe künstlerische Fotografie sehr. Sie kann einfach nur Freude an der Schönheit von Natur in der Welt zeigen, jedoch auch aufklären, sozialkritisch sein, ideologisch, wie auch eine grandiose politische Wirkung haben. Es werden wohl viele Schritte notwendig sein, bis ein Bild zum Kunstobjekt herangereift ist und der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. 

Helga König: Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie? 

 Ute Vehse
Ute Vehse: Ich arbeite mich intuitiv in den abstrakten Expressionismus. Spiele mit den Farben und Materialien. Ich arbeite mit den Händen, mit den Füssen, wie auch mit Pinsel, Spachtel, Bürsten, Messern, etc. Verwende unterschiedlich künstlerisches Material, die Farben bestehen aus Tusche, Aquarellfarben, Acryl, Öl, Wasser, Luft, im Allgemeinen auch Mischtechniken genannt. Je nach Lust und Laune entstehen in den expressionistischen Strukturen irrsinnige Gestalten, oft Gesichter die es gar nicht gibt. So findet dann der künstlerische Lauf auch seine naturalistischen Züge. Gerne transformiere ich alte Gemälde in die Neuzeit, liebe gefunden Materialien, wie uralt Hölzer. Ich liebe auch sehr die Malerei mit Tusche auf Papier. Ich werde mit diesen Materialien in Kürze eine Ausstellung machen. 

 Helga König
Helga König:Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst? 

Ute Vehse: Farben sind Stimmungsmacher. Zurzeit bevorzuge ich meistens nicht mehr als zwei Farben in einem Kunstwerk. Insbesondere Erdfarben, ich liebe sie sehr. Ich mag den Minimalismus, auch die Ruhe im Kunstwerk. Trotzdem muss es tanzen, sich bewegen, das Werk. Es gab viel Rotes, Buntes, fast alle Farben sind ein Teil der zu verarbeitenden Lebensabschnitte. Deshalb kann ich auch nicht sagen ob bereits morgen wieder ein farbenfrohes Kunstwerk entstehen wird. Wichtig ist der Strich und der ist die ureigene Handschrift des jeweiligen Künstlers. Mal ist er farbig bunt, mal nur schwarz-weiß. 

Helga König: Wie eng sollten Galerien und Museen mit Künstlern zusammenarbeiten? 

 Ute Vehse
Ute Vehse: In Berlin kenne ich nur als außerschulischer Lernort die Berlinische Galerie, die sich auf eine auf eine intensive Zusammenarbeit mit Schulen eingelassen hat. Berlin hat tausende Galerien, abertausende Künstler. Wünschenswert wäre wenn auch zwischen den profilierten Künstlern immer einige dabei wären die sich zwischen Kunst und Museum bewegen könnten. Es gibt hier die lange Nacht der Museen, Die Nacht der Wissenschaften, und es gibt die Tage der offenen Ateliers und Galerien in fast allen Stadtbezirken. Das ist gut. Was ich nicht für gut heiße, das sind die Produzentengalerien und die Messen, wie Berliner Liste usw. Hier profitiert in jedem Falle hauptsächlich der Veranstalter.

 Helga König
Helga König: Welche ausbaufähigen Vermarktungsstrategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets? 

Ute Vehse: Ich bin nach wie vor Facebook-Fan. Für uns Künstler trifft sich hier die ganze Welt im Austausch von Kunstobjekten. Es geht eher darum, dem introvertierten, oft einsamen Künstler ein gutes Feedback in sein Atelier zu schenken. Er hat die Möglichkeit, recht unkompliziert und schnell seine Werke der Welt zu zeigen und ebenso seine Veranstaltungen kund zu tun. Allerdings sollten sich die Künstler gut darum kümmern,  mit wem er sich befreundet. Kunstwerke vermarkten, steht auf einem anderen Stern. Sie sind Produzenten, haben meistens eine ziemlich schlechte Vermarktungsstrategie. 

Helga König:  Welche Aufgaben sollten Politikern in Sachen Kunst ernster nehmen? 

 Ute Vehse
Ute Vehse: Ein guter Redner erreicht sein Publikum dadurch dass er mit Metaphern spricht. Die Kunst schenkt diese haufenweise. Im Grunde in jedem künstlerischen Bereich. Es gibt Gesetze für alles und nichts. Die Kunst scheint für die Politik ein NICHTS zu sein. Dazu könnte ich jetzt ein ganzes Blatt füllen, möchte es jedoch dabei belassen. Ich habe mal im Berliner Kleist Haus, das ist das Arbeitsministerium der Bundesregierung, eine dreimonatige Ausstellung gemacht. Seit dieser Zeit weiß ich,  was den Politikern die Kunst wert ist und wie wenig sie bereit sind, genau hier zu investieren, zu fördern, den Künstler angemessen zu bezahlen und alles was da noch zugehört. 

Liebe Ute Vehse, ich danke Ihnen herzlich für das Interview.

Ihre Helga König 

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