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Helga König im Gespräch mit dem Künstler Nikolaus Hirschmann

 Nikolaus Hirschmann
Lieber Nikolaus Hirschmann, Sie haben Ihren Weg als Künstler 1973 mit einem Studium an der Bayrischen Staatslehranstalt für Photographie in München begonnen, danach als Fotograf, Kameramann und in der Kunsthalle Hamburg als Organisator von Ausstellungen gearbeitet. Seit einem weiteren Studium an der Akademie für Werbung in Bonn widmen Sie sich seit 1993 der Freien Malerei und sind in Traben-Trarbach ansässig. Anmerken möchte ich noch für unsere Leser, dass Sie auf eine große Anzahl von Ausstellungen zurückblicken können, nicht nur in Deutschland, Spanien, Jerusalem, Schweden, Norwegen, Österreich und Griechenland, sondern auch  in den USA.

Wir freuen uns, dass Sie heute an unserem Langzeit-Interviewprojekt "Fragen zur Kunst" teilnehmen.

Helga König: Wie definieren Sie Kunst? 

Nikolaus Hirschmann:  Kunst ist ein wunderschöner Ausdruck des Lebens. Der Künstler begibt sich für den Schaffensprozess auf die Seite des Schöpfers, wenn auch nur in "bescheidener" Form. Wenn der Künstler einen Zugang zu seiner inneren Welt hat, kann große Kunst entstehen. 

 Helga König
Helga König: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen? 

Nikolaus Hirschmann: Vergangene Epochen ….wie weit zurück? Leonardo natürlich. Michelangelo. Bach. Raffael. Bosch. Aber die Kunst des 20igsten Jahrhunderts ist mir näher und da möchte ich unbedingt Frank Auerbach und Paul Klee nennen. Beide bewegen mich tief. Und da dies bei wenigen darstellenden Künstlern der Fall ist, kann ich beide nicht hoch genug loben. Ausserdem mag ich Robert Bresson, Ingmar Bergman und Andrej Tarkowski als Filmemacher. Bach, Schubert und Miles Davis als Komponisten. Henri Cartier-Bresson, Jan Sudek und Robert Frank in der Fotografie. Bulgakow, Camus, Miller und viele mehr in der Literatur. Gründe sind einfach, dass sie meinem Empfinden von Schönheit entsprechen. 

Helga König: Wann hat für Sie Malerei einen künstlerischen Wert? 

 Nikolaus Hirschmann
Nikolaus Hirschmann: 
Wenn sie mein Herz berührt. Nur dann. 

Helga König: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Kunst? 

Nikolaus Hirschmann: Da ich kein Bildhauer bin, kann ich nur Bildhauer sehr bewundern. Bildhauerei hat für mich denselben Stellenwert wie Malerei. Vom Herzen sind mir aber natürlich die Maler näher. Dennoch: Vor Brancusi und Giacometti kann ich nur den Hut ziehen. 

 Helga König
Helga König: Wann hat für Sie Fotografie einen künstlerischen Wert? 

Nikolaus Hirschmann:  Immer dann, wenn ich fotografiere. ;) Ich bin gelernter Fotograf und ausgebildet an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München. Ansonsten ist die Antwort identisch mit Frage 3). 

Helga König: Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie? 

 Nikolaus Hirschmann
Nikolaus Hirschmann: Ich habe nichts gegen Techniken, wenn sie nicht von der Essenz einer Arbeit ablenken. Für mich bevorzuge ich Acryl und Leinwand. Der Trocknungsprozess bei Öl ist mir zu langsam und da ich rasch arbeite und auch gerne etwas ändere, übermale, kommt mir Acryl entgegen. Liquitex, die älteste und dichteste Acrylfarbe, bewegt sich nahe am Öl und ist für meine Zwecke ideal. Techniken haben nur dann für mich Sinn, wenn sie nicht zur "Künstlichkeit" führen, sondern den Fluss des Herzens nicht einschränken. Es geht mir mehr um gelebte Emotion als Technik. Handwerk steht über Technik, Fantasie über handwerklichem Können. 

 Helga König
Helga König: Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst? 

Nikolaus Hirschmann: Diese Frage erübrigt sich eigentlich. Ich arbeite seit 1993 täglich in meinem Atelier und für diese Arbeit benötige ich Farbe. Welche Farbe was theoretisch bedeutet, kann man besser bei Goethe oder auch Kandinsky nachlesen. Bei mir sind Farben der verlängerte Arm meines Gefühles und wenn mein Gefühl mich nicht betrügt, verwende ich die richtigen Farben. Es ist alles sehr einfach. 

Helga König: Wie eng sollten Galerien und Museen mit Künstlern zusammenarbeiten? 

 Nikolaus Hirschmann
Nikolaus Hirschmann: Darüber mache ich mir wenig Gedanken. Wenn der richtige Zeitpunkt dazu da ist, werden Galerien und Museen mit Künstlern gerne zusammenarbeiten. Sobald ein bestimmter Bekanntheitsgrad da ist, kommen beide an den Künstler herangetreten und bemühen sich. Vorher nehmen sie den jeweiligen Künstler nicht wahr. Das sind die Marktgesetze und die kann man akzeptieren oder daran verzweifeln. Gute Kunst setzt sich durch. Früher oder später. Und das ist gut so. 

 Helga König
Helga König: Welche ausbaufähigen Vermarktungsstrategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets? 

Nikolaus Hirschmann: Werbung ist sicherlich wichtig. Social Media sicherlich auch. Man kann Kontakte knüpfen und dadurch zu guten Ausstellungen kommen. Der Schwerpunkt sollte allerdings die regelmäßige Arbeit sein, damit man im "Flow" bleibt. Wenn es zur richtigen Zeit ist, werden sich dann die richtigen und wichtigen Kontakte ergeben. Einfach seine Arbeit machen und wenn die Welt einen braucht, dann wird sie zu einem kommen und einen abholen. Und wenn dies nicht geschieht, sollte man auf jeden Fall immer weiter machen. Man hat keine Kontrolle über Erfolg, denn jegliche Kontrolle würde ja nur die eigenen Beschränkheiten ausüben. Das, was man sich über das eigene Schicksal vorstellt, wie es verlaufen sollte, ist meist falsche Vorstellung wie man glaubt, dass das Leben verlaufen sollte und behindert den eigentlichen Fluss des Lebens. 

 Nikolaus Hirschmann
Helga König: Welche Aufgaben sollten Politikern in Sachen Kunst ernster nehmen? 

Nikolaus Hirschmann: Warum auf Politiker warten, dass sie etwas ändern? Politik ist der Ausdruck kollektiven Bewusstseins. Wenn also das Bewusstsein wächst, wird es auch bessere Politik in allen Bereichen geben. Gesundheit, Kultur, Wirtschaft, Sport etc. Ein Bewusstseinswandel in allen Bereichen täglichen Lebens ist die Voraussetzung, dass auch Kunst von der Politik in ihrer Wichtigkeit wahrgenommen wird. Wir brauchen die Evolution der Kunst und damit verbunden eine rasche Bewusstseinserweiterung jedes einzelnen Individuums! 

Lieber Nikolaus Hirschmann, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Helga König im Gespräch mit der Künstlerin Christa Haack.

 Christa Haack
Fotograf: unbekannt
Liebe Christa Haack, Sie sind eine in Freiburg lebende Künstlerin, die einst in Paris an der "Union Central des Arts Decoratifs" , später dann an der "Hampsteadt School of Art" in London studierte  und danach acht Jahre lang weiterführende Studien an anerkannten, staatlichen Kunstakademien betrieben hat. 2010 waren Sie Schülerin der Meisterklasse von Alexander Jeanmaire in Zürich. 

Ein italienischer Galerist, mit dem Sie am Comer See ausgestellten,  hat einmal über Ihre Arbeiten gesagt:  "Ihre Werke sind wie der Wind. Unberechenbar und abrupt, der es schaffen kann,  alles zu wandeln und Neues hervor zu bringen, auch Bereicherungen, die uns mit Auftrieb einhüllen, um uns durchzurütteln, damit wir ein Gegenstück zu unserer Seele erschaffen, etwas was ein Zeichen hinterlässt, etwas das Kunst ist."

Ich freue mich, dass Sie heute an unserem Langzeit- Interviewprojekt "Fragen zur Kunst" teilnehmen.

Helga König: Wie definieren Sie Kunst? 

Christa Haack: Kunst ist etwas Abstraktes, das etwas ausdrücken und vermitteln kann, ohne dafür Worte zu benutzen. Die Kunst ist eine Sprache für sich, eine durchaus schöne Sprache, die jeder lernen kann. 

 Helga König
Helga König: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen? 

Christa Haack: Expressionismus. Expressionismus hat eine Tendenz in der Kunst, die sich eher bemüht, subjektive Gefühle und Emotionen auszudrücken, als die Wirklichkeit oder Natürlichkeit objektiv abzubilden. Im Expressionismus versucht der Künstler, eine emotionale Erfahrung zu präsentieren. Genauso gehe ich meine Werke an. 

Helga König: Wann hat für Sie Malerei einen künstlerischen Wert? 

 Christa Haack
Christa Haack: Wenn das Kunstwerk mich fesselt, mich beim Betrachten in seinen Bann zieht. 

Helga König: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Kunst? 

Christa Haack: Bildhauerei ist dreidimensionale Kunst. Die zeitgenössische Skulptur findet im Vergleich zur Malerei bei Kreativen wie Rezipienten weit weniger Aufmerksamkeit. Ihr Marktanteil liegt deutlich unter 10%. Ich wünsche, dass mehr Menschen die spannende Erfahrung machen, dass unsere erlebbare Welt viel zu bieten hat. Skulpturen kann man aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und anfassen.  

Helga König: Wann hat für Sie Fotografie einen künstlerischen Wert? 

Christa Haack: Kunst bedeutet für mich, Gefühle zu verpacken, Empfindungen, welche mit Worten nicht mehr erfasst werden können, zu beschreiben. Ein Foto ist für mich dann Kunst, wenn es Emotionen erzeugt. 

 Helga König
Helga König: Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie? 

Christa Haack: Während des Studiums in London habe ich alle Techniken gelernt. Letztendlich habe ich mich für die Acryltechnik entschieden. Sie schenkt mir die Freiheit, die ich bei der Malerei brauche. Aufbauen, zerstören, wieder aufbauen und experimentieren. 

Helga König: Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst? 

Christa Haack: Schon in der Antike wurden Farben vitale oder moralische Qualitäten zugeschrieben. Farben geben einem Bild eine besondere Note. Mit ihnen kann ich Stimmungen und Eindrücke erreichen, die ohne Farbe nicht möglich wären. 

Helga König: Wie eng sollten Galerien und Museen mit Künstlern zusammenarbeiten? 

 Christa Haack
Christa Haack: Habe die Erfahrung gemacht, dass eine Zusammenarbeit nicht gegeben ist. Schade, ich würde mir eine möglichst enge Zusammenarbeit wünschen. 

Helga König: Welche ausbaufähigen Vermarktungsstrategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets? 

Christa Haack: Ich bin seit 2 Jahren bei Facebook, bin seitdem Fan geworden. Facebook gibt mir die Möglichkeit,  meine Werke schnell in die Welt zu schicken. Seit ein paar Wochen bin ich auch bei Linkedin. Mal sehen wie es dort weiter geht. 

Helga König: Welche Aufgaben sollten Politikern in Sachen Kunst ernster nehmen? 

Christa Haack: Es ist eine Aufgabe der Politik, Kunst nicht nur zuzulassen, sondern auch zu unterstützen. Wichtig ist es auch, dass die Leute über Kunst informiert werden und sich die Kunstwerke anschauen können, ob reich oder arm. 

Liebe Christa Haack, herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. 

Ihre Helga König




Helga König im Gespräch mit der Bildhauerin, Malerin und Lyrikerin Christin van Talis

 Christin van Talis
Liebe Christin van Talis, Sie sind Malerin, Bildhauerin aber auch Lyrikerin und haben als Schülerin des Malers Christian J. Scheefe (Kunstschule Neuanfang, Dozent Fachhochschule Hamburg) Ihren künstlerischen Weg begonnen. Es folgten Studien der Bildhauerei in der Hamburger Sommerakademie. Bildhauer-Workshops in Altonaer Künstlerateliers und eine Ausbildung in der chinesischen Malerei/Kalligraphie durch Gu Yingzhi (Akademie der chin. Malerei und Kalligraphie, Tianjin). Seit 2007 sind Sie Mitglied im Frauen Netzwerk für Frieden e. V. und nehmen an Friedenskonferenzen teil. Am 8.März 2009  haben Sie die "Charta der SchriftstellerInnen für die Wahrung des Weltfriedens" ins Leben gerufen.  Sie sind Mitbegründerin des Netzwerkes Niedersachsen "Frauen in Kunst und Kultur" und leben und arbeiten in Hamburg. Ihr Betätigungsfelder sind Ausstellungsorganisation, die Leitung des Kunstraum für Lyrik sowie last not least Bild und Skulptur.

Ich freue mich, dass Sie an dem Interviewprojekt "Fragen zur Kunst" teilnehmen.

Helga König: Wie definieren Sie Kunst?

Christin van Talis: Für mich ist die Kunst eine Beobachterin der Welt. Ich bin eine Malerin und Bildhauerin der Gegenwartskunst. Kunst sollte im besten Fall eine Gabe sein, in die Zukunft schauen zu können. Der Künstler muss allein dieser Bestimmung folgen auf seine ureigenste Art. Kunst ist nicht zu trennen von dem eigenen Leben, da es kein Beruf ist, sondern eine Berufung. Künstler sollten heutzutage Philosophen sein. Aber wer kann die Kunst bewerten? Die Kunst ist ein Freigeist und gehört nur sich selbst

 Helga König
Helga König: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen?

Christin van Talis: Der Expressionismus liegt mir am Herzen mit seinem freien Umgang mit Farbe und Form, insbesondere Paula Modersohn-Becker, dann der Kubismus mit seiner systematischen Bildstrukturierung und eingearbeiteten Tapeten und Zeitungsstücken von Picasso und Chagall, die Pop-Art Künstlerin Niki de Saint Phalle wegen ihrer monumentalen Nanas und ihrem Lebenswerk, dem Tarotgarten, an dem sie 15 Jahre gearbeitet hat. Dieser war Ansporn für meinen eigenen Skulpturengarten an der Süderelbe in Hamburg. Nicht zu vergessen die Kunst-Epoche der "Moderne", darunter ganz besonders der "Hundertwasser-Stil" und seine Bauweise. Friedensreich Hundertwasser war für mich ein Visionär. 

Helga König: Wann hat für Sie Malerei einen künstlerischen Wert?

 Christin van Talis mit Skulptur LISA
Christin van Talis: Wenn sie authentisch ist - die Gegenwart und die Künstlerin / den Künstler widerspiegelt. Oder, wenn eine neue Schöpfung gelungen ist - etwas - was so in dieser Form noch nicht existiert.

Helga König: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Kunst?

Christin van Talis: Für mich steht die Bildhauerei an erster Stelle. Anders als in der Malerei geht es hier auch um das Material, was so schon einen eigenen Charakter besitzt. Mit Hammer und Meißel monatelang einen Stein zu bearbeiten, verlangt viel Hingabe und Ausdauer – meist in kalten Ateliers. Ein hoher Stundenlohn ist hierbei nicht zu erzielen. 

 Helga König
Helga König: Wann hat für Sie Fotografie einen künstlerischen Wert?

Christin van Talis: Wenn die realistische Nachbildung verfremdet wird. Es muss eine Idee, ein kreativer Gedanke zu erkennen sein. Kunst ist eine neue Schöpfung, egal auf welchem Gebiet. 

Helga König: Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie?

Christin van Talis: Die Spachteltechnik mit Acrylfarbe, Marmormehl und Fliesenkleber – bis zu 20 Farbschichten, die zum Teil wieder abgekratzt werden. Sowie Mischtechniken und Freskomalerei. 

Helga König: Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst?

  Christin van Talis
Christin van Talis: Farbe bedeutet Kampf! Wer gewinnt? Die Form oder die Farbe? Form gegen Farbe für eine Kultur des Friedens ist mein Motto. Kunst hat immer was mit Freigeist zu tun. In meinen Bildern verliert oft die Farbe den Kampf.

Helga König: Wie eng sollten Galerien und Museen mit Künstlern zusammenarbeiten? 

Christin van Talis: Schön wäre es, wenn in Zukunft die Galerien und Museen die Künstlerinnen und Künstler in ihren Räumen arbeiten lassen und am Entstehungsprozess teilhaben würden und auch der Künstler einen intensiveren Einblick in die Ausstellungsarbeit bekommt. Das wäre gegenseitige Befruchtung. 

Helga König: Welche ausbaufähigen Vermarktungsstrategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets? 

 Christin van Talis
Christin van Talis: Jede Künstlerin und jeder Künstler sollte sich vernetzen mit anderen Künstlern, um gemeinsam Ausstellungen zu organisieren. Erstrebenswert ist auch eine Unabhängigkeit von Galerien und Museen, um ein eigenes Online-Portal von Kunstsammlern zu manifestieren. 

Helga König: Welche Aufgaben sollten Politikern in Sachen Kunst ernster nehmen? 

Christin van Talis: Kunst ist ein Kulturgut, dass jedem offen zugänglich sein muss. Die Eintrittsgelder von Museen müssen generell abgeschafft werden. In einigen Bereichen ist dieses schon geschehen. Auch kostenlose Ateliers sollten dem Künstler, der Künstlerin zur Verfügung gestellt werden. Sie sind es schließlich, die das kulturelle Erbe schaffen.

Liebe Christin Talis, danke für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König


Fotos: Christin  van Talis

Helga König im Gespräch mit der Künstlerin #Ute_Vehse_Zins

 Ute Vehse
Liebe Ute Vehse, Sie sind in Berlin geboren. Dort sind Sie in einer Künstlerfamilie aufgewachsen und waren Schülerin bei dem ostfriesischen Meister der Malerei und Bildhauer M. Melzer.  

Ihre Werke wurden und werden weltweit vermarktet. Dabei haben Sie Ihre erste Ausstellung 1984 in West-Berlin realisiert. 

Sie sind Mitglied der internationalen Künstlergruppe von Les Montmartroise de Berlin und Les Montmartroise en Europe, sowie die Gruppe Kunstwerke–Berlin.

Ich freue mich, dass Sie an dem Interviewprojekt Fragen zur Kunst teilnehmen. 

 Helga König
Helga König: Wie definieren Sie Kunst? 

Ute Vehse: Ich definiere Kunst als eine der vielen Lebensmöglichkeiten, sich auszudrücken, die Menschen zu erreichen, zu politisieren, Vielseitigkeiten zu vermitteln, Visionen und den kreativen Geist erwecken, die ständigen Transformationsprozesse, die wir alle ständig durchlaufen, zu zeigen.

Helga König: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen?

 Ute Vehse
Ute Vehse: Ich liebe nach wie vor die Aquarellkunst. Die alten Meister der entarteten Kunst waren mir Vorbild. Vor allen Dingen die Kunstwerke der Expressionisten, der Surrealismus, der Kubismus und die neue Sachlichkeit. Sie entsprachen ja alle nicht dem Schönheitsideal der Nationalisten. Meine Favoriten waren Nolde, Chagall, Matisse, Beckmann, Schmidt-Rottluff. 

Helga König: Wann hat für Sie Malerei einen künstlerischen Wert? 

Ute Vehse: Es ist verpönt, Kunst als Ware zu begreifen. Gewöhnlich werden deshalb in Galerien Bilder auch nicht mit Preisschildern versehen. Die Kunst zähle, nicht das Geld, so die Botschaft. Kunst ist Selbstzweck, ist Berufung, ohne Hintergedanken an Geschäft und Nutzen. Salvador Dali bekannte: "Alles, was mich interessiert ist Geld." Weder Dali, noch der Selbstzweck, noch die Berufung ist meine Absicht, eher die Lust und Freude mich auszudrücken, zu bewegen, etwas zu transformieren, im Zeichen der Jetztzeit! Und genauso auch ein Kunstwerk loszulassen, dem Betrachter und dem Investor meine Lebensfreude, trotz aller weltlichen Unzulänglichkeiten, mit auf den Weg zu geben. Und er möge dafür auch gut bezahlen. 

 Helga König
Helga König: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Kunst?

Ute Vehse: Ich sehe den Bildhauer eher als einen Handwerker. Bewundere diese Kunst sehr. Insbesondere liebe ich Skulpturen, besonders dann, wenn sie abgeschlagen werden aus den unterschiedlichen Gesteinen, wie Sandstein, Marmor. Eine Kombination mit Malerei und Bildhauerkunst finde ich äußerst spannend. 

Helga König: Wann hat für Sie Fotografie einen künstlerischen Wert? 

Ute Vehse: Ich liebe künstlerische Fotografie sehr. Sie kann einfach nur Freude an der Schönheit von Natur in der Welt zeigen, jedoch auch aufklären, sozialkritisch sein, ideologisch, wie auch eine grandiose politische Wirkung haben. Es werden wohl viele Schritte notwendig sein, bis ein Bild zum Kunstobjekt herangereift ist und der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. 

Helga König: Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie? 

 Ute Vehse
Ute Vehse: Ich arbeite mich intuitiv in den abstrakten Expressionismus. Spiele mit den Farben und Materialien. Ich arbeite mit den Händen, mit den Füssen, wie auch mit Pinsel, Spachtel, Bürsten, Messern, etc. Verwende unterschiedlich künstlerisches Material, die Farben bestehen aus Tusche, Aquarellfarben, Acryl, Öl, Wasser, Luft, im Allgemeinen auch Mischtechniken genannt. Je nach Lust und Laune entstehen in den expressionistischen Strukturen irrsinnige Gestalten, oft Gesichter die es gar nicht gibt. So findet dann der künstlerische Lauf auch seine naturalistischen Züge. Gerne transformiere ich alte Gemälde in die Neuzeit, liebe gefunden Materialien, wie uralt Hölzer. Ich liebe auch sehr die Malerei mit Tusche auf Papier. Ich werde mit diesen Materialien in Kürze eine Ausstellung machen. 

 Helga König
Helga König:Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst? 

Ute Vehse: Farben sind Stimmungsmacher. Zurzeit bevorzuge ich meistens nicht mehr als zwei Farben in einem Kunstwerk. Insbesondere Erdfarben, ich liebe sie sehr. Ich mag den Minimalismus, auch die Ruhe im Kunstwerk. Trotzdem muss es tanzen, sich bewegen, das Werk. Es gab viel Rotes, Buntes, fast alle Farben sind ein Teil der zu verarbeitenden Lebensabschnitte. Deshalb kann ich auch nicht sagen ob bereits morgen wieder ein farbenfrohes Kunstwerk entstehen wird. Wichtig ist der Strich und der ist die ureigene Handschrift des jeweiligen Künstlers. Mal ist er farbig bunt, mal nur schwarz-weiß. 

Helga König: Wie eng sollten Galerien und Museen mit Künstlern zusammenarbeiten? 

 Ute Vehse
Ute Vehse: In Berlin kenne ich nur als außerschulischer Lernort die Berlinische Galerie, die sich auf eine auf eine intensive Zusammenarbeit mit Schulen eingelassen hat. Berlin hat tausende Galerien, abertausende Künstler. Wünschenswert wäre wenn auch zwischen den profilierten Künstlern immer einige dabei wären die sich zwischen Kunst und Museum bewegen könnten. Es gibt hier die lange Nacht der Museen, Die Nacht der Wissenschaften, und es gibt die Tage der offenen Ateliers und Galerien in fast allen Stadtbezirken. Das ist gut. Was ich nicht für gut heiße, das sind die Produzentengalerien und die Messen, wie Berliner Liste usw. Hier profitiert in jedem Falle hauptsächlich der Veranstalter.

 Helga König
Helga König: Welche ausbaufähigen Vermarktungsstrategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets? 

Ute Vehse: Ich bin nach wie vor Facebook-Fan. Für uns Künstler trifft sich hier die ganze Welt im Austausch von Kunstobjekten. Es geht eher darum, dem introvertierten, oft einsamen Künstler ein gutes Feedback in sein Atelier zu schenken. Er hat die Möglichkeit, recht unkompliziert und schnell seine Werke der Welt zu zeigen und ebenso seine Veranstaltungen kund zu tun. Allerdings sollten sich die Künstler gut darum kümmern,  mit wem er sich befreundet. Kunstwerke vermarkten, steht auf einem anderen Stern. Sie sind Produzenten, haben meistens eine ziemlich schlechte Vermarktungsstrategie. 

Helga König:  Welche Aufgaben sollten Politikern in Sachen Kunst ernster nehmen? 

 Ute Vehse
Ute Vehse: Ein guter Redner erreicht sein Publikum dadurch dass er mit Metaphern spricht. Die Kunst schenkt diese haufenweise. Im Grunde in jedem künstlerischen Bereich. Es gibt Gesetze für alles und nichts. Die Kunst scheint für die Politik ein NICHTS zu sein. Dazu könnte ich jetzt ein ganzes Blatt füllen, möchte es jedoch dabei belassen. Ich habe mal im Berliner Kleist Haus, das ist das Arbeitsministerium der Bundesregierung, eine dreimonatige Ausstellung gemacht. Seit dieser Zeit weiß ich,  was den Politikern die Kunst wert ist und wie wenig sie bereit sind, genau hier zu investieren, zu fördern, den Künstler angemessen zu bezahlen und alles was da noch zugehört. 

Liebe Ute Vehse, ich danke Ihnen herzlich für das Interview.

Ihre Helga König 

Helga König im Gespräch mit dem Künstler #Harald_Wolff

 Harald Wolff
Lieber Harald Wolff, Sie haben einst an der "Akademie of fine Arts" in Berlin studiert und sind viel in der Welt herum gekommen. Das hat Sie zu dem gemacht, was Sie heute sind: ein wacher und kritischer Beobachter der Zeitläufe, der Ideenreichtum und Erfindungsgabe Beziehungsgeschehen und Erlebtes in Szene umsetzt.

Wie man den Informationen zu Harald Wolff  auf der Website der JANZEN Galerie in Düsseldorf entnehmen kann,  sind  Ihre Werke "Momentaufnahmen, festgehalten im Bild."   Weiter erfährt man dort: "Mit verschiedenen Pinseln und Stiften und einem reichen Farbspektrum bringt er in unterschiedlichem Tempo seine Bildideen auf die Leinwand. Was zunächst spontan wirkt, erscheint bei längerer Betrachtung als wohl durchkomponiert und ist keinesfalls dem Zufall geschuldet. Reflektive Spontanität - ein Paradoxon: Intensive Bewegung trifft sich mit einer allmählichen Verfestigung, die jedoch niemals erstarrt. Das Neben- und Miteinander von verwischten Gestalten, gestisch-abstrakten Farbbahnen und -flächen und expressiv zeichnerischen Elementen ist Harald Wolffs unverwechselbare Handschrift. Energie aus Pinselspuren und Farben mischt sich, stößt sich ab, überlagert, stört oder ergänzt sich. Aus suggestiven Formen entstehen rätselhafte, oftmals absurde Zusammenhänge – vieldeutige, geheimnisvolle Bildwelten, die dem Betrachter viel Raum für Entdeckungen lassen."

Lieber Harald Wolff ich freue  mich, dass Sie an dem Interviewprojekt "Fragen zur Kunst" teilnehmen. 

Helga König: Wie definieren Sie Kunst? 

 Harald Wolff
Harald Wolff:  Ich sage mal so: eine hundertprozentige Beherrschung der Materie, in der gearbeitet wird, eine gegenseitige, emotionelle Reaktion..(Autor und Publikum), dazu noch die Feststellung, das Inhalt und Form nicht zu trennen sind 

Helga König: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen? 

Harald  Wolff: Natürlich,  die in aller Welt bekannten Meister aus dem Grunde einer perfekten Maitrise des jeweiligen Handwerkes. Nicht zu vergessen einige schon verstorbene Künstler, wie Robert Motherwell, Emil Schumacher und Asgar Jorn. Bei allen Malern besteht eine gelungene Verbindung von Bild (Form) und Thema.

 Helga König
Helga König: Wann hat für Sie Malerei einen künstlerischen Wert? 

Harald Wolff: Wenn zwischen « Sender und Empfänger » ein, wie auch immer gearteter, Dialog entsteht. 

Helga König: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Kunst?

Harald Wolff: …In der Hierarchie die 2. Stelle nach der Architektur und vor der Malerei. Danach folgen alle anderen Disziplinen, Medien…. 

Helga König: Wann hat für Sie Fotografie einen künstlerischen Wert? 

Harald Wolff: ….Wenn die Kontraste stimmen, die Tiefenschärfe und wenn auf « dekorativen Bildzusatz » verzichtet werden kann. Auch natürlich, wenn ein Vorfall, Ereignis, oder eine Momentaufnahme den Bildinhalt definiert.

Helga König: Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie?

 Harald Wolff
Harald Wolff:  ….Ölmalerei.

Helga König: Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst?

Harald Wolff:  …. Farben in der "Kunst" sind ein Plus.

Helga König: Wie eng sollten Galerien und Museen mit Künstlern zusammenarbeiten?

Harald Wolff:  So eng wie möglich… leider oftmals nicht der Fall.

Helga König: Welche ausbaufähigen Vermarktungsstrategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets? 

Harald Wolff:  ….relativ wenig Möglichkeiten, da zu einer erfolgreichen Vermarktung eine Abbildung nicht ausreicht. Eine Betrachtung des Objektes im Original sollte erwogen werden. Wie..? das ist natürlich die Frage… Originalnachricht anzeigen ….eine impartielle Förderung betreffs Material und Arbeitsraum (Atelier). Verstärkter Kunstunterricht an den Schulen …Kunstgeschichte und praktische Tätigkeiten wie, zeichnen, werken, fotografieren und filmen.

Lieber Harald Wolff, besten Dank für das Interview.

Ihre Helga König

http://haraldwolff.net/

Helga König und Doris Zeidlewitz im Gespräch mit der zeitgenössischen Malerin Mona Schwenker

Liebe Mona Schwenker, Sie sind zeitgenössische Malerin und haben Ihre Wurzeln in einer bekannten flämischen Künstlerfamilie. Schon seit 1986 präsentieren Sie im Rahmen von Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Belgien und Luxemburg Ihre Werke.

Als Initiatorin und Gründungsmitglied vieler temporärer aber auch etablierter, themenbezogener Projekte beweisen Sie Innovationsgeist.

Frank Hauptvogel, Dozent der Kunstakademie Dresden, sagt u.a. über Ihre Arbeiten, dass Sie dort nicht den einzelnen Menschen charakterisieren, sondern verstärkt die induktive Funktion durch die Umkehrung des Prozesses der Entstehung. Auf diese Weise führten Sie das Körperliche zurück ins Geistige und Emotionale. Das macht neugierig auf Ihre Werke. 

Wir freuen uns, dass Sie an unserem Interviewprojekt "Fragen zur Kunst" teilnehmen.

Doris Zeidlewitz: Wie definieren Sie Kunst?

 Mona Schwenker
Mona Schwenker: Zunächst einmal gilt "Kunst" als Oberbegriff für alle Genres – zudem lebe ich in Köln, wo jede zweite Person sich "Künstler" nennt. Daher distanziere ich mich persönlich von den Begriffen Kunst/Künstler/in, sondern spreche in meinem Fall von Malerei. Ganz profan betrachtet ist Malerei eine der klassischen Kunstformen der Bildenden Künste. Der Maler, die Malerin benutzt einen Pinsel, Spachtel oder anderes Utensil, um Farbe auf einer Fläche aufzubringen. Allerdings kommen dann für mich persönlich die Kraft der Farben und die Wucht der Pinsel/Spachtelarbeiten hinzu. 

Beim Malen ist man allein mit sich selbst, in der Welt aus der die Bilder kommen. Der Prozess die Dinge zu sehen,  bevor sie auf der Leinwand sind, ist zu jeder Tages- und Nachtzeit präsent. An jedem Ort, in jedem Gespräch, in und bei jeder Bewegung, jedem Geräusch und jedem Geruch – sich dann mit sich selbst beratschlagen – ein neues Werk: Türen öffnen, Räume betreten – suchen nach etwas, was nur mir gehört. Nicht stehenbleiben, sonst finde ich nicht das, was nur mir gehört. Das Blatt Papier, die Leinwand, das Ringen nach Form, Ausdruck, Gestik, Mimik – irgendwann beginnt das Werk zu sprechen. 

Man geht in eine Welt, begegnet, beobachtet, sieht, fühlt und alles was man malt,  verändert sich. Es beginnt zu leben und zu erzählen und weil alles so anders ist als der Alltag, macht es die Betrachter so neugierig auf diese ihnen fremde Welt. Ja, eine fremde Welt, das ist wohl "Kunst".

Eine weitere Definition von Kunst ist natürlich: Einer die Welt umspannenden kapitalistischen Marktwirtschaft ... es geht um Angebot und Nachfrage, um das Wecken von Begierden, die Verknappung von Waren, um finanzielle Interessen und berufliches Fortkommen. Arena des Existenzkampfes nach kapitalistischen Spielregeln. Denn das der "Künstler" allein von Inspiration, Schöpferkraft und Verzichtsbereitschaft lebt und die Menschheit beschenkt ist eigentlich ein dummes Versehen.

 Helga König
Helga König: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen?

Mona Schwenker: Besonders gerne mag ich "Die jungen Wilden", unter ihnen, Penck, Fetting, Salomé, Elvira Bach und den Neoexpressionismus von Lüpertz und Baselitz. Die Großformate, die Wucht und die Kraft, das humorvolle Spiel mit kunsthistorischem Stil, die ironischen, emphatischen oder aggressiven Gesten und ästhetischen Provokationen – vieles was ich heute in der Malerei vermisse. 

Doris Zeidlewitz: Wann hat Malerei für Sie einen künstlerischen Wert?

 Mona Schwenker
Mona Schwenker: In der Malerei, als Bildwerk: Wenn Sie mich fesselt, festhält, mich immer Neues entdecken lässt; wenn das Werk beginnt mit mir in den Dialog zu treten; wenn es für sich selbst kämpft, sich selbst definiert und mich in seinen Bann schlägt; wenn mich die eigene Wahrheit des Werkes erreicht – und diese kann im Umkehrschluss abstoßend sein. All das ist auch die Aufgabe für mich, in meinen eigenen Werken. Und als Historisches Dokument: Wenn sie Zeit dokumentiert, so wie die Werke meiner Serie "Art from cologne", Original Titelbilder des Kölner Stadtanzeigers - "Ästhetische Anschläge" auf die Gegenwart und Kopfwäschen für Wirklichkeitsverleugner. Poetisches Vermischen von Ereignisspuren und "Erlebnis-Würmern"*. Kurzum zeitgemäße "Welt-Bildnerei" mit Poesie und Spielfreude durchsetzt. Es gibt nur den Blick auf die Schlagzeilen, dann wird angefangen zu malen. Die Schlagzeilen selbst, ebenso wie kleine Wortfetzen, bleiben dabei stehen und werden NICHT übermalt. Es handelt sich hier also NICHT um Collagen, sondern um eine bisher noch nicht dagewesene Art und Weise eine Zeitung zu "zweckentfremden" und sie damit zu einem wichtigen, bildnerischen ZEITDOKUMENT zu machen. So wird aus der ZEIT-ung von gestern ein ZEIT-Dokument für die Ewigkeit.

 Helga König (l), Doris Zeidlewitz (r)
Helga König: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Bildenden Kunst?

Mona Schwenker: Einen relativ hohen, da sie zwei Varianten enthält: Es gibt Maler, die sie als Vorbereitungen zur Malerei nutzen; andere wiederum nutzen sie als Abstraktion ihrer Malerei. Ich denke,  jeder der sich mit Malerei oder eben Bildhauerei beschäftigt, wird das eine nicht vom anderen trennen können.

Doris Zeidlewitz: Wann hat Fotografie für Sie einen künstlerischen Wert? 

Mona Schwenker
Mona Schwenker: Ich mag die Polaroid-Fotografie, denn darin finde ich den höchsten künstlerischen Wert - das Sofortbild ist die Krönung all dessen, wofür analoge Fotografie steht. Es sind reine Glücksfälle, scheinbar perfekte Motive die aber durch die Folge unregelmäßiger chemischer Reaktionen entstehen und ihnen ihre unverwechselbare Einzigartigkeit geben. Und bei Polaroid Fotos gibt es eben nur das eine Mal, ohne Option auf Vervielfältigung. 

Helga König: Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie?

Mona Schwenker:  Ich male grundsätzlich auf großformatiger Leinwand; meist mit Acryl-, aber auch mit Ölfarben. 

 Doris Zeidlewitz
Doris Zeidlewitz: Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst? 

Mona Schwenker: Farben sind Sinnlichkeit, Kraft und Ausdruck, sogar Macht in der Malerei. Allerdings spielt auch die Wucht oder der sensible Auftrag der Farbe auf den Malgrund eine Rolle. 

Helga König:  Wie eng sollten Galerien und Museen mit den Künstlern zusammenarbeiten? 

Mona Schwenker: Gerade in den letzten Jahren ist ein starker Wandel zu beobachten. Dies liegt sicher auch an den zumeist überteuerten Mieten für großflächige Galerieräume. Galeristen stehen also unter einem gewissen Druck, die monatlichen Kosten decken zu können. Daher werden klassische Galerien immer mehr zu Kunsthandels-Stätten renommierter Künstler und Grafiker. Wünschenswert wäre eine Förderung und Zusammenarbeit wie sie noch in den 80ger/90ger Jahren üblich war, als Galeristen und Sammler an einen Maler glaubten und diesen unterstützt und begleitet haben, wann, wie und wo auch immer sie konnten. Auch die Museen haben in früheren Jahren sicher mehr von den Schenkungen der Sammler und der Leihgaben der Künstler profitiert, denke man doch an die großen Sammlungen, die den Bau und den Erhalt des Ludwigsmuseums in Köln überhaupt erst ermöglicht haben. Ich wünsche mir also: Back to the roots. 

Doris Zeidlewitz:  Welche ausbaufähigen Vermarktungsstrategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets?

 Mona Schwenker
Mona Schwenker: Da sich das Internet ständig weiterentwickelt und immer schneller wird*, passt sich der User dem auch an. Hat man vor ein paar Jahren noch stundenlang auf einer Webseite gestöbert, egal zu welchem Themen- oder Fachgebiet, werden heute in Sekundenschnelle Beiträge per Knopfdruck auf verschiedene Portale gesendet und geradezu verheizt. Die Flut an Informationen und Bildern ist immens und wächst stetig, der Nutzer sieht "den Wald vor Bäumen" nicht mehr, meist sind "Likes" auf Facebook oder "Plusse" auf Google+ Gefälligkeitsaktionen, weil man "sich ja schon so lange online kennt". So bleiben diese sozialen Netzwerke wohl nur ein Erinnerungs- und Marketinginstrument um "in aller Munde" zu bleiben, falls, wenn, eventuell …. jemand mal auf die Idee kommen sollte, sich ein Kunstwerk anschaffen zu wollen. Reine Kunst-Portale dienen meist nur dem Austausch der Künstler untereinander, kaum wird sich ein Sammler oder Galerist dorthin verirren, "befruchten" diese sich doch gegenseitig und das – offline 

 Helga König (l), Doris Zeidlewitz (r) 
Helga König: Welche Aufgaben sollten Politiker in Sachen Kunst ernster nehmen? 

Mona Schwenker: Aus aktuellem Anlass möchte ich zunächst darauf eingehen, was Politik NICHT tun sollte: Die umstrittene Verschärfung des "Kulturgutschutzgesetzes" von Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist absurd. Sie zeigt ein erschütterndes Bild von Deutschland, das einem aus diesem Gesetzesentwurf entgegensieht. 

Kunst soll im eigenen Land gebunkert und jedes juristische Schlupfloch zum Rest der Welt abgedichtet werden. Werden wir zu einem Staat, der alle Werke unter Zwangsverwaltung stellt? Eine Art der Enteignung? 

Ein Mitarbeiter einer Landesbehörde könnte Kunstwerke – ohne Expertengremium – auf die Liste setzen lassen und damit ein Ausfuhrverbot erwirken. Falls es dazu kommt,  werden deutsche Galerien Dependancen in anderen Ländern eröffnen und der Kunsthandel und Markt wird hierzulande erheblich schrumpfen. Schade, aber nur konsequent, dass Baselitz, Richter und andere Ihre Werke zurückziehen. 

Man kann nur hoffen, dass dieser Gesetzesentwurf nicht in Kraft tritt. Als Anmerkung was Politik tun kann ... könnte zitiere ich gerne Richard von Weizsäcker, dessen Rede bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren hat: Kultur kostet Geld. Sie kostet Geld vor allem auch deshalb, weil der Zugang zu ihr nicht in erster Linie durch einen privat gefüllten Geldbeutel bestimmt sein darf. Kultur darf nicht etwas etwas sein, was die öffentlichen Hände nach Belieben betreiben oder auch lassen dürfen. Substanziell hat die Förderung von Kulturellem nicht weniger eine Pflichtaufgabe der öffentlichen Haushalte zu sein als zum Beispiel der Straßenbau, die öffentliche Sicherheit oder die Finanzierung der Gehälter im öffentlichen Dienst. Es ist grotesk, dass wir Ausgaben im kulturellen Bereich zumeist "Subventionen" nennen, während kein Mensch auf die Idee käme, die Ausgaben für ein Bahnhofsgebäude oder einen Spielplatz als Subventionen zu bezeichnen. 

Der Ausdruck lenkt uns in die falsche Richtung. Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert. Und Kultur hängt auch von Personen ab, die sie ins Werk setzen sollen. Es ist ein zentrales öffentliches Interesse, dass Leute, die das können, die notwendigen Entfaltungsmöglichkeiten behalten oder bekommen. Ich sehe also eine dringende Notwendigkeit, Kultur und auch Subkultur aller Genres zu erhalten und zu fördern, damit Mensch und Geschichte weiterhin genährt werden.

P.S. Zudem möchte ich hier als Malerin noch etwas zum Thema Frauen in der Kunst erwähnen: Kulturgeschichte und Kunst überliefern uns ein Zerrbild ganzheitlichen menschlichen Denkens. Die künstlerische Reflexion und die philosophische Betrachtung der Welt durch Frauen ist heute mehr denn je Teil des gesamt-gemeinschaftlichen Denkens, jedoch sind aufgrund einer Werteverschiebung der Kunst - vom Ideellen hin zum Materiellen - Kunstwerke von Frauen immer noch ungenügend repräsentiert. Ankäufe im Bundeskanzleramt : 1 Gemälde von Käthe Kollwitz, neben Ankäufen von 60 männlichen Kollegen Rhein.-Landesmuseum : 23 Künstlerinnen neben 123 männlichen Kollegen Sammlung Städtisches Museum Bonn (1971-1976) Arbeiten von 394 männlichen Zeitgenossen neben Bildern von 34 Frauen, usw.

Die moderne Gesellschaft, in der gleichermaßen Männer und Frauen auf allen produktiven und organisatorischen Gebieten tätig sind, hat die Pflicht, auch in der Kunst und damit auch der weltanschaulichen Betrachtung ein Gleichgewicht zwischen Frau und Mann herzustellen, wenn sie Wege hin zu einer lebensbejahenden Entwicklungsform finden möchte. Auf der Suche nach dem Schlüssel für eine friedliebende Welt bedarf es der Abschaffung jeglicher Ressentiments gegenüber kreativem und schöpferischem Bestreben der Frau. 

Dennoch hält sich hartnäckig das Vorurteil, das Künstlerinnen dieselben Marktchancen hätten wie männliche Kollegen, sobald sie sich als "gut, originell und eigenständig behaupten". Der Grund für die geschmälerten Chancen liegt in den Wettbewerbsbedingungen des Kunstmarktes. Noch heute nehmen Sammler vom Kauf einer Arbeit einer Künstlerin Abstand, weil sie befürchten, sie würden nicht durchhalten, irgendwann wieder hinter dem Kochtopf verschwinden und eine Karriere als Ehefrau vorziehen. 

Die öffentliche Einschätzung des Kunstobjektes einer Frau lässt den Sammler nicht auf Mehrwert hoffen; somit entfällt, falls er nicht doch zufällig kulturelle Interessen hat das Hauptmotiv seiner Sammlertätigkeit – das Ökonomische. Die Krise der Kunst, die im 21. Jahrhundert eine Krise ihrer sozialen Funktion ist und mit dem Verlust ihres öffentlichen Auftrags zusammenhängt, wirkt sich weitaus deutlicher zu Ungunsten des weiblichen Geschlechts aus als bisher erkannt wurde. 

Von 100 Malern die sich durchsetzen konnten sind schätzungsweise 2 Frauen. Zwar hat die Künstlerin keine geringere Rolle als ihr männlicher Kollege, sobald dieser politische und subjektive Erfahrungen verknüpft ist auch er ein Outcast , aber sie ist ihm gegenüber absolut benachteiligt und auch seltener am Markt vertreten. Auch die Museen, die die Aufgabe hätten den Mechanismus des Marktes zu sprengen, das gestörte Verhältnis zwischen Künstler und Markt auszubalancieren, haben diese Aufgabe bislang nicht ausgiebig wahrgenommen – zumindest nicht gegenüber den Künstlerinnen. 

Wir bräuchten viele Ausstellungen von Künstlerinnen aus allen Epochen und an verschiedenen Orten um Vorurteile abzubauen und diese verschüttete Geschichte ans Licht zu holen. Unterschiede hinsichtlich der Kunstwerke von Frauen und Männern werden in Zukunft deutlich erkennbar sein, dann, wenn eine Entwicklung der Kunst von Frauen sich von der Prägung althergebrachter kultureller Dominanten und männlich gestalteter Kritik befreit und sich eine individuelle, bewusste Kunstform etabliert hat, wenn Reflexion und Reflektion in Unabhängigkeit von männlicher Färbung stehen. In wenigen Werken der jungen Moderne der Kunst sind jene frauenspezifischen Inhalte und Ausdrucksformen zu erkennen.

Liebe Mona Schwenker, wir danken Ihnen  für das aufschlussreiche Interview

Ihre Doris Zeidlewitz, Ihre Helga König

www.monart-online.de

www.artcologne.blogspot.de

Mona Schwenker

Leverkusener Str. 46
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phone 01578 9180516
email m.schwenker@arcor.de

Helga König und Doris Zeidlewitz im Gespräch mit dem Illustrator, Designer und freien Künstler Cornelius Rinne

Lieber Cornelius Rinne, Sie haben in Hannover zunächst Kommunikationsdesign studiert und mit Diplom abgeschlossen, bevor Sie im Anschluss daran Kunst studierten und im Zuge der "free international University"  dann an einer freien Studiengruppe Kunst im Atelier von Joseph Beuys, in der Kunstakademie in Düsseldorf,  beteiligt waren.  Tätig sind Sie seit langen Jahren als Illustrator, Designer sowie freier Künstler und haben 20 Jahre lang Kurse als Dozent mit Schwerpunkt Aktzeichnung geleitet.

Wir freuen uns, dass Sie sich bereit erklärt haben, an unserem Interviewprojekt "Fragen zur Kunst" teilzunehmen".

Helga König: Wie definieren Sie Kunst?

 Cornelius Rinne
Cornelius Rinne: Kunst sind die Prozesse, die ein Mensch in einer selbsterfundenen Sprache (Ausdrucksweise) dokumentiert. 

Doris Zeidlewitz: Welche Künstler aus vergangenen Epochen mögen Sie besonders gerne und können Sie Gründe dafür nennen? 

Cornelius Rinne:  a) Richard Oelze, da ich im persönlichen Gespräch mit ihm sehr viel gelernt habe und da er es war,  der mir einen Zugang zum Werk von Joseph Beuys gewiesen hat. b) Joseph Beuys, da er mich durch sein Wirken zum nichtlinearen Denken und dem Betrachten von Dingen und Situationen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln angeleitet hat. c) Heinrich Riebesehl, da ich bei ihm das Arbeiten in Zyklen gelernt habe. d) Monet, da er es schaffte, Realitäten aufzuheben und neu wiederzugeben. e) Andy Warhol, weil er die Symbole meiner Generation schuf oder in den Mittelpunkt stellte. f) Leonardo da Vinci, da bei ihm die geistige Durchdringung von Kunst so gut sichtbar wird. g) Emil Nolde, einfach weil ich seine Bilder und Farben von klein auf mag. 

 Helga König
Helga König: Wann hat für Sie Malerei einen künstlerischen Wert? 

Cornelius Rinne: Wenn sie etwas dokumentiert, eigenständig ist und neues Denken und Fühlen beim Betrachter auslöst. (Dies gilt aber für alle Sparten der Kunst, angefangen bei der darstellenden, über die reproduzierende, hin zu Musik und Literatur und eben auch der bildenden Kunst.) 

Doris Zeidlewitz: Welchen Stellenwert hat die Bildhauerei für Sie in der Kunst? 

Cornelius Rinne:  Den gleichen wie jede andere Sparte der Kunst (s.o.)

Helga König: Wann hat für Sie Fotografie einen künstlerischen Wert? 

 Cornelius Rinne
Cornelius Rinne: Wenn sie die Bedingungen meiner Kunstdefinition erfüllt. Wenn also nicht die Kamera im Vordergrund steht, sondern der Kopf dahinter. 

Doris Zeidlewitz:  Welche Techniken in der Malerei bevorzugen Sie?

Cornelius Rinne:  Acryl 

Helga König: Was bedeuten für Sie Farben in der Kunst?

Cornelius Rinne:  Farbe in der Malerei prägt die unterschiedlichen Mundarten derer man sich bedient. 

Doris Zeidlewitz
Doris Zeidlewitz:  Wie eng sollten Galerien und Museen mit Künstlern zusammenarbeiten? 

Cornelius Rinne: Die Frage sollte doch sicher eher lauten, wie eng Galeristen und Kuratoren mit Künstlern zusammenarbeiten. Hierzu ist festzustellen, dass wir gesellschaftlich in einer sehr ichbezogenen Zeit leben und dies gerade auch auf Galeristen und Kuratoren ausstrahlt. 

So entstehen Ausstellungen, die auf die Galeristen und die Kuratoren verweisen. Wünschenswert wäre eher eine Zusammenarbeit wie sie bei Galeristen wie Kahnweiler oder Schmela stattfand. 

Man stellte den Künstler und sein Werk in den Mittelpunkt. Ähnliches gilt für Kuratoren. Leider gibt es diese Einstellung zur Zeit aber nicht, daher gehen die Möglichkeiten im Betriebssystem Kunst auch derart den Bach herunter. Es fehlt an purer Begeisterung, es herrscht eher eine erhebliche Selbstdarstellung seitens der Vermittler vor. 

Helga König (r), Doris Zeidlewitz (l)
Helga König: Welche ausbaufähigen Vermarktungs-strategien für Künstler gibt es in den sozialen Netzwerken des Internets?

Cornelius Rinne: Soziale Netzwerke sind, entgegen der landläufigen Meinung,  es wäre ein persönliches Kontaktinstrument, reine Marketingwerkzeuge. So kann man sie einsetzen, darf sich aber auch keine Wunder von ihnen erwarten. 

Doris Zeidlewitz: Welche Aufgaben sollten Politikern in Sachen Kunst ernster nehmen? 

 Cornelius Rinne
Cornelius Rinne: Gehen wir mal von der Lothar de Maizieres Aussage : "Die DDR und die SED sind an Kulturlosigkeit zugrunde gegangen." aus, wird klar, das der Wert von Kunst für die Gesellschaft ein erheblicher ist. 

Dies verkennt die Politik derzeit komplett. Politik ist eigentlich die vorderste Front beim Errichten der sozialen Plastik, also dem menschenwürdigen Zusammenleben in der Gemeinschaft. 

Leider herrscht derzeit in der Politik aber blanker Technokratismus vor und der Humanismus, im Sinne der Entwicklung des Menschen, bleibt auf der Strecke. Kunst, egal welcher Art, und der Umgang mit ihr, ist überaus wichtig für die Entwicklung des Individuums hin zu einem durch Humanismus und Menschenwürdigkeit geprägten Geschöpf.

Lieber Cornelius Rinne, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Interview. 

Ihre Helga König. Ihre Doris Zeidlewitz


Cornelius Rinne 
An der Reegt 
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